Erasmus+: Bremer Azubis in Schweden und Südtirol

Mit der Zertifizierung für das europäische Austauschprogramm Erasmus+ im Jahr 2023 hat das Schulzentrum an der Alwin-Lonke-Straße einen Meilenstein in der internationalen Ausrichtung seiner beruflichen Bildung erreicht. Die Auszeichnung eröffnet den Schülerinnen und Schülern neue Möglichkeiten, ihre Ausbildung durch praxisnahe Erfahrungen zu erweitern. Diese Chance haben jetzt jeweils zwei Auszubildende in den Gewerken Dachdecker, Maler und Lackierer sowie wahrgenommen.

2024 konnte die Schule zwei Partnernetzwerke etablieren, die inhaltlich eng an ihr berufliches Profil anknüpfen. In Göteborg (Schweden) liegt der Fokus der Zusammenarbeit auf den Bau- und Gestaltungshandwerken, während die Partnerschaft in Südtirol (Italien) insbesondere kreative und handwerkliche Berufe in den Mittelpunkt stellt.

Erste Austausche mit Göteborg und Bozen

Im Oktober reisten erstmals Bremer Schülergruppen in die beiden Partnerregionen, um dort zwei Wochen lang in Betrieben und Bildungseinrichtungen mitzuarbeiten und zu lernen. Während ihres Aufenthalts erhielten sie nicht nur vertiefte Einblicke in andere Arbeitsweisen und Ausbildungskulturen, sondern stärken auch ihre fachlichen Kompetenzen, ihre Sprachkenntnisse und ihre interkulturelle Kompetenz.

In Göteborg nahmen jeweils zwei Auszubildenden in den berufen Dachdecker sowie Maler und Lackierer sowie zwei Fachoberschülerinnen mit dem Schwerpunkt Architektur und Bautechnik teil.

Zu den teilnehmenden schwedischen Betrieben gehörte unter anderem der größte Flachdachspezialist des Landes mit rund 65 Mitarbeitenden. Hier hatte der Bremer Auszubildende Jerik unter anderem die Gelegenheit, Einblicke in die dortigen Arbeitstechniken zu gewinnen. Was ihm auffiel, waren unter anderem der stark ausgeprägte Nachhaltigkeitsgedanke sowie die höhere Spezialisierung einzelner Betriebe.

Obermeister Sven Kühnast (r.) und KH-Geschäftsführer Stefan Schiebe (nicht im Bild) besuchten die zwei Maler-Azubis Ash und Hafezz auf einer Baustelle in Göteborg und nutzten den Besuch, um mit dem schwedischen Ausbildungsbetrieb (auf dem Bild Projektleiter Magnus
Dahlgren (l.)) und den dortigen Verbänden Kontakt aufzunehmen.

Der Maler- und Lackierer-Auszubildende Ash absolvierte das Praktium in einem größeren Göteborger Malereibetrieb, der auch zahlreiche Aufträge im „Liseberg“, dem größten Freizeitpark Skandinaviens, ausführt. Ihm fiel unter anderem auf, dass in Schweden lösemittelhaltige Beschichtungsstoffe nicht erlaubt sind und stattdessen nur Produkte auf Öl- oder Wasserbasis verwendet werden.

Nach Südtirol reisten drei Auszubildende im Maler- und Lackierer-Beruf sowie drei angehende Schilder- und Lichtreklamehersteller. Die Auszubildende Paula sammelte Erfahrungen in einem Siebdruck-Betrieb in Bozen. Wie viele Erasmus-Teilnehmende freut sie sich unter anderem über die Erfahrung, mit neuen Situationen umgehen zu können und damit auch ein Stück weit selbstständiger geworden zu sein.

Lehrkräfte-Austausch in Bremen

Ende Oktober begrüßte das Bremer Schulzenrum fünf Lehrkräfte aus Göteborg. Im Mittelpunkt des Besuchs stand der kollegiale Austausch zu pädagogischen Konzepten, Ausbildungsinhalten und organisatorischen Strukturen der beruflichen Bildung in Deutschland und Schweden. Laut dem Schulzentrum leisten derartige Begegnungen einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung von Ausbildung und fördern das gegenseitige Verständnis unterschiedlicher Bildungssysteme. In den kommenden Jahren sollen weitere Begegnungen, Austauschformate und gemeinsame Projekte folgen.

Marc Rödel und Sebastian Niebuhr von der Berufsschule berichteten
auf der Maler-Innungsversammlung von ihren Erfahrungen mit dem
Austauschprogramm. Der Auszubildende Andrii informierte die Anwesenden über seine durchweg positiven Erlebnisse als Teilnehmer
am Austauschprogramm in Bozen.

Erasmus+

Das Erasmus+-Programm der Europäischen Union fördert die Mobilität von Auszubildenden und unterstützt sie dabei, berufliche sowie kulturelle Erfahrungen im europäischen Ausland zu sammeln. Um teilzunehmen, sollten Auszubildende bei Reiseantritt mindestens 18 Jahre alt sein, mindestens im zweiten Ausbildungsjahr sein (Gesellinnen und Gesellen können bis zu 12 Monate nach ihrem Abschluss teilnehmen), über Grundkenntnisse in Englisch verfügen sowie offen für Neues sein und Interesse an der europäischen Kultur haben. Über Erasmus+ können Reise-, Unterkunfts- sowie Programmkosten übernommen werden. Eingeplant werden sollte ein Eigenanteil von rund 150 Euro pro Woche sowie Taschengeld für Freizeitaktionen.

Infos bei der Handwerkskammer Bremen: Nadine Gondek-Rathkamp, Tel. 0421 30500-226, E-Mail: ausbildungsberatung@hwk-bremen.de; www.hwk-bremen.de/ausbildung/auslandspraktikum