Gute sechs Jahre lang hat Andreas Meyer die Handwerkskammer Bremen als Hauptgeschäftsführer gemeinsam mit dem Vorstand geleitet. Ende September hat er sein Amt an seinen Nachfolger Alexander Gündermann übergeben und sich in den Ruhestand verabschiedet. Im Interview mit der HiBB blickt er auf die vergangenen Jahre zurück.
HiBB: Die Handwerkskammer für Bremen und Bremerhaven war nicht ihre erste berufliche Station im Handwerk. Schon 2009 sind Sie aus der Finanzwirtschaft zur Kreishandwerkerschaft Bremen gewechselt und waren dort bis 2014 Geschäftsführer. Was fasziniert Sie am Handwerk?
Andreas Meyer: Bis 2009 waren mir die Strukturen in der Handwerksorganisation mit Kammern, Kreishandwerkerschaften und Innungen nicht bekannt. Ich habe mich dann aber schnell eingearbeitet und durfte das Handwerk intensiv kennen lernen. Und mit Handwerk meine ich natürlich die Menschen im Handwerk. Die Zusammenarbeit mit den vielen ehrenamtlich engagierten Personen im Handwerk hat mir immer viel Freude gemacht. Ich durfte mich einbringen und viele meiner Anregungen und Ideen wurden aufgenommen und zu einem Großteil auch umgesetzt.
Durch diese Offenheit haben wir gerade in den vergangenen sechs Jahren in der Handwerkskammer eine ganze Menge für das Handwerk in Bremen mit seinen Betrieben, Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhabern sowie deren Mitarbeitenden erreicht. Es ist einfach toll, wenn man spürt, dass der persönliche Einsatz Wirkung zeigt und man etwas bewegen kann. Die Überschaubarkeit unserer doch recht kleinen Kammer ist da übrigens ein Vorteil.
HiBB: Inwiefern?
Andreas Meyer: Als kleine Kammer haben wir doch eine große Nähe zu unseren Mitgliedsbetrieben und zum Ehrenamt, sei es zu den Vorstandsmitgliedern, den Mitgliedern der Vollversammlung oder auch Ausschüssen. Außerdem hatte ich als Hauptgeschäftsführer der kleinsten unter den 53 deutschen Handwerkskammern natürlich auch die Chance, zu allen Mitarbeitenden einen engen Kontakt zu pflegen und so nah dran zu sein.
HiBB: Auch der Zwei-Städte-Staat Bremen ist ja recht überschaubar.
Andreas Meyer: Und auch hier sind die kurzen Wege von enormem Vorteil, um bei der Politik und in der öffentlichen Verwaltung mit den Anliegen des Handwerks Gehör zu finden. Auch, wenn mir bewusst ist, dass insbesondere die finanziellen Möglichkeiten des kleinen Bundeslands Bremen begrenzt sind.
HiBB: Oft hat man den Eindruck, dass gerade Bremerinnen und Bremer besonders kritisch auf ihr kleines Bundesland blicken. Zu Recht?
Andreas Meyer: Es gibt im Vergleich mit anderen Bundesländern eine Menge Punkte, bei denen Bremen nicht so gut aufgestellt ist, sei es bei der Förderlandschaft oder beim großen Thema Bildung. Grund zum Meckern ist also vorhanden. Andererseits sind wir Bremer aber auch gerne mal überkritisch. Ich habe ja ein paar Jahre lang in Hannover gearbeitet. Und wenn man einmal die Außensicht hatte, werden einem erst so richtig die schönen Seiten Bremens und seine Vorteile – die offene Art der Menschen, das viele Grün in der Stadt, die Nähe zum Wasser und vieles mehr – bewusst und man lernt genau das zu schätzen. Und viele Dinge, die zunächst eine Herausforderung sind, können wir auch als Vielfalt und Chance für die Zukunft verstehen.
HiBB: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Landes Bremen, welche wirtschaftspolitischen Weichenstellungen müssen Ihrer Meinung nach getroffen werden?
Andreas Meyer: Mein Eindruck ist, dass die bremische Politik zu oft nur auf ihre beiden Städte blickt und aus den Augen verliert, dass in anderen Bundesländern Regeln gelten, die ein wirtschaftsfreundlicheres Umfeld schaffen. Wir befinden uns nun mal in einem Standortwettbewerb – das gilt zum Teil auch für Handwerksbetriebe in Bezug auf das niedersächsische Umland. Denn auch das Handwerk kann nur prosperieren, wenn es den Kunden – sei es privat oder gewerblich – gut geht.
HiBB: Wenn Sie so etwas wie eine Bilanz der vergangenen sechs Jahre ziehen müssten. Was fällt Ihnen spontan ein?
Andreas Meyer: Ich scheide aus dieser verantwortungsvollen Tätigkeit mit einem sehr guten Gefühl aus, da ich glaube – nein, ich weiß , dass die Kammer zukunftsfähig aufgestellt ist. Wir haben uns in den vergangenen Jahren immer davon leiten lassen, was für die Handwerksbetriebe in Bremen und Bremerhaven gut ist – das war meine Orientierung. So haben wir unser Dienstleistungsangebot für unsere Mitgliedsbetriebe ausbauen können. Insbesondere haben wir erreicht, dass die positive Wahrnehmung des Handwerks in der Öffentlichkeit und der Politik stark verbessert wurde. Aber auch nach innen haben wir vieles umgesetzt, so wurde zum Beispiel die Struktur der Handwerkskammer konsequent kundenorientiert ausgerichtet und die Digitalisierung der internen Prozesse deutlich verbessert. Auch unser historisches Verwaltungsgebäude haben wir – insbesondere in den öffentlichen Bereichen – modernisiert. Und nicht zuletzt haben wir die Weichen zur grundsätzlichen Modernisierung unseres Bildungshauses gestellt. Alles nicht aus Eigennutz der Handwerkskammer, sondern immer mit dem Ziel, Vorteile für unsere Mitgliedsbetriebe zu generieren. Denn auch eine stärkere öffentliche positive Wahrnehmung des Handwerks führt letztlich dazu, dass sich mehr junge Menschen für Handwerksberufe entscheiden. Und das trägt wesentlich zur Lösung der aktuell wohl größten Herausforderung des Handwerks bei, dem enorm hohen Bedarf an Fachkräften.
HiBB: Nach einer so intensiven Zeit und vielen Jahren im Handwerk: Was glauben Sie, wird Ihnen künftig fehlen?
Andreas Meyer: Die vielen tollen Gespräche mit interessanten Menschen.
HiBB: Und was überhaupt nicht?
Andreas Meyer: Das kann ich Ihnen gerade noch gar nicht sagen. Vielleicht fragen Sie nochmal in zwei Monaten nach?
HiBB: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Andreas Meyer: Dass er die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Handwerksbetrieben, unserer Selbstverwaltung – insbesondere mit unserer Vollversammlung und dem Vorstand –und natürlich auch den Mitarbeitenden der Kammer so fortführen kann, wie ich sie genießen durfte. Und natürlich, dass er genauso viel Freude an der Tätigkeit des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer für Bremen und Bremerhaven erfährt, wie ich es durfte.
HiBB: Darf das Handwerk damit rechnen, Sie künftig in anderer Funktion wiederzutreffen. Das Ehrenamt zum Beispiel hat ja eine Menge zu bieten?
Andreas Meyer: Nach einer Zeit des „Runterkommens“ wird es früher oder später sicher dazu kommen, dass ich mir sage: „So, jetzt willst Du wieder was tun“. Was das sein wird, kann ich noch gar nicht genau sagen. Aber an meiner bisherigen Aufgabe hat mich ja besonders das Kommunikative gereizt. Und das möchte ich auch künftig pflegen. Wo man mich genau wiederfinden wird, weiß ich noch nicht. Ich werde mich sicherlich – aus heutiger Sicht – nicht politisch engagieren. Den Einstieg in die Politik sollte man den Jüngeren überlassen.
HiBB: Herr Meyer, vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre Zukunft.
Foto und Interviewfragen: Oliver Brandt

