Leidenschaftliche Debatte um die E-Mobilität

Beim Neujahrsempfang der Kfz-Innung Bremen kommen nicht nur reine Branchenthemen, sondern auch gesellschaftliche Fragestellungen zur Sprache.

An Gesprächsthemen mangelt es beim Neujahrsempfang der Kfz-Innung Bremen meist nicht. So auch in diesem Jahr. Schließlich lieferte die Bundesregierung mit ihrem Vorschlag für eine neue E-Auto-Kaufprämie und dem geplanten Aus vom Verbrenner-Aus reichlich Gesprächsstoff. Darüber und über vieles mehr plauderten rund 150 Gäste im Handwerkssaal der Kammer.

Gastrednerin bei den Branchentreffen war in diesem Jahr Dr. Henrike Müller, seit November Bremer Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft. In ihrer Ansprache dankte die Grünen-Politikerin der Innung für den respektvollen Kontakt, auch zu Themen, bei denen man unterschiedlicher Meinung sei. „In Zeiten, in denen Debatten schnell verhärten, ist der Dialog ein Wert an sich“, so Müller.

Umweltsenatorin Dr. Henrike Müller: „Elektromobilität ist ein Handwerksthema“

Gemeinsam mit der Innung teile sie das Interesse an einer starken, zukunftsfähigen Kfz-Branche in Bremen. In diesem Zusammenhang erwähnte sie die große Verunsicherung, die derzeit vorherrsche. Müller: „Statt klarer Leitplanken erleben wir wechselnde Signale, offene Fragen und eine Dauer-Diskussion, die Planungssicherheit eher verhindert als ermöglicht.“ In diesem Zusammenhang sprach sie sich klar für einen konsequenten Umstieg auf reine Elektro-Antriebe aus. „Wenn wir unsere Klimaziele im Verkehrssektor erreichen wollen – und das müssen wir, ökologisch wie ökonomisch –, dann brauchen wir eine schnelle und konsequente Elektrifizierung. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Und nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Elektromobilität sei aber nicht nur ein industriepolitisches Projekt großer Konzerne. Müller: „Sie ist ein Handwerksthema. Wartung, Reparatur, Software, Ladeinfrastruktur – all das braucht qualifizierte Betriebe und gut ausgebildete Fachkräfte. Denn das KFZ-Handwerk ist ein zentraler Akteur der Verkehrswende.“

Neben der Entbürokratisierung seien Bildung und Ausbildung zentrale Themen. Henrike Müller: „Wir brauchen moderne Ausbildungsordnungen, gut ausgestattete Berufsschulen und attraktive Weiterbildungsangebote – insbesondere im Bereich der Elektromobilität und der digitalen Fahrzeugtechnik. Wer den Fachkräftenachwuchs sichern will, muss heute investieren.“

Auch Hans Jörg Koßmann, Obermeister der Kfz-Innung Bremen, ging in seiner Rede auf die Bildung in Bremen ein und forderte mit Leidenschaft die Gleichbehandlung von beruflichen und akademischen Wegen. Koßmann: „Es kann nicht sein, dass ein Studium dem Staat alles wert ist, aber unsere angehenden Meister für ihren Stolz und ihr Wissen tief in die eigene Tasche greifen müssen!“

Anknüpfend an seine Rede aus dem Vorjahr forderte er wiederum ernsthafte Reformen: „Warum vertrösten wir die nächste Generation bei Rente und Bildung auf ein ‚Irgendwann‘? Wir brauchen keine Reformen, die auf dem Papier glänzen. Wir brauchen den Mut zur Wahrheit – auch, wenn sie im ersten Moment wehtut. Denn nur Wahrheit schafft neues Vertrauen.“

Obermeister Hans Jörg Koßmann: „Mobilität darf kein Luxusgut für wenige werden.“

Beim Kernthema des Kfz-Handwerks betonte der Obermeister: „Mobilität darf kein Luxusgut für Wenige werden!“ Wer das Auto einseitig benachteilige, spiele mit der Lebensrealität der Menschen. Zum Thema E-Mobilität sagte er: „Wir brauchen eine echte, gelebte Technologieoffenheit.“ Die Eletromobilität sei Teil der Lösung. Das Kfz-Gewerbe begleite deren Hochlauf mit aller Kraft. Gleichzeitig dürfe der Verbrenner nicht beerdigt werden, solange er die Lebensader für Millionen Menschen sei. „Wir müssen den Klimaschutz über den Kraftstoff lösen so Koßmann. Damit sprach der die Bedeutung von synthetischen und Biokraftsstoffen an.

Ganz im Sinne der neuen Wege, die er von Bremen einforderte, wies Koßmann am Ende seiner Rede darauf hin, dass die Innung künftig auch bei ihrem Neujahrsempfang gemeinsam mit der Handwerkskammer Bremen einen neuen Weg beschreiten möchte. Wie die genau aussehen, wird spätestens in der ersten HiBB-Ausgabe 2027 zu lesen sein.