Feierstunde für ehemalige und künftige Prüfer

Was wäre das Leben ohne das Handwerk? Und was wäre das Handwerk ohne das Ehrenamt? Die kurze wie einfache Antwort („nichts“) musste Präses Thomas Kurzke gar nicht aussprechen. Schließlich sind die Gäste, die bei der jüngsten Feierstunde für ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer ins Gewerbehaus gekommen waren, selbst aus dem Handwerk.

Thomas Kurzke bedankte sich ausdrücklich bei neun ehemaligen Prüfungsausschuss-Mitgliedern: „Ehrenamt ist nicht Arbeit, die nicht bezahlt wird, es ist einfach unbezahlbar. Mit ihrer Tätigkeit in den Prüfungsausschüssen haben Sie die Grundlage dafür gelegt, dass die so dringen benötigten Nachwuchskräfte ausgebildet und geprüft werden konnten. Das ist die Basis für das gesamte Handwerk.“

Danach begrüßte der Präses acht Handwerkerinnen und Handwerker, die ihr Wissen und ihr Know-how künftig in Gesellen- und Meisterprüfungsausschüssen einbringen möchten. Im Gespräch beschrieben einige von ihnen ihre Motivation. Oft ist es der Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen, zu Auszubildenden und auch Tatsache, dass eine Prüfer-Tätigkeit auch die eigenen Kenntnisse auf dem neuesten Stand hält.

„Man bleibt beruflich am Puls der Zeit“

Bäckermeisterin Christine Henze möchte ihr Wissen weitergeben und fachlich immer auf dem Laufenden bleiben. Auch deshalb engagiert sie sich seit Kurzem im Gesellenprüfungsausschuss.

Lange überlegen muss sie nicht. Auf die Frage, warum sie sich neben dem
Beruf ehrenamtlich für das Handwerk engagiert, fallen ihr spontan gleich mehrere
Gründe ein: „Meine eigene Gesellenprüfung habe ich als sehr positiv erlebt. Ich hatte damals sehr gute, emphatische Prüferinnen und Prüfer. Jetzt möchte ich dem Handwerk etwas zurückgeben und mich selbst als Prüferin einbringen. Außerdem habe ich als Prüferin die Chance, am Puls der Zeit in meinem Gewerk zu bleiben. Wenn ich selbst ausbilde, muss ich schließlich wissen, wie die Azubis heutzutage lernen und welche Themen vielleicht anders sind als in meiner eigenen Ausbildung. Außerdem beschäftige ich mich mit Themen, die wichtiger Bestandteil der Ausbildung sind und die jeder Bäcker oder jede Bäckerin beherrschen sollte, die in der beruflichen Praxis aber nicht jeden Tag vorkommen“, fasst sie ihre Motivation zusammen.

Schon vor ihrer eigenen Meisterprüfung, für deren gutes Ergebnis sie 2023 von der
Bremer Brede-Stiftung ausgezeichnet wurde, hatte sie den Entschluss gefasst,
einmal selbst Prüferin zu werden. Im Sommer vergangenen Jahres ging sie
den ersten Schritt in diese Richtung und wohnte einer Gesellenprüfung ganz unverbindlich als Beobachterin bei. Danach stand für sie fest, sich als Prüferin einbringen zu wollen.

Ihr Arbeitgeber begrüßt ihren Entschluss. „Durch die Tätigkeit im Prüfungsausschuss
bleibt man ja auch fachlich auf dem Laufenden“, sagt die 42-Jährige. Ihre Premiere als Prüferin steht noch aus, sie freut sich aber schon heute darauf. Nicht
zuletzt wegen des Kontakts zu ihren Kolleginnen und Kollegen. „Ich wurde wirklich
sehr nett aufgenommen“, sagt sie

Kollegialität und gutes Miteinander

Hans Jürgen Köhler hat sich mehr als 45 Jahre ehrenamtlich in Meisterprüfungsausschüssen engagiert.
Jetzt übergibt er die wichtige Aufgabe in jüngere Hände.

„Mehr als tausend.“ Hans Jürgen Köhler kann nur schätzen, wie viele angehende Meisterinnen und Meister er im Laufe seines Berufslebens durch die Prüfungen
begleitet hat. Kein Wunder bei der langen Zeit. Über 45 Jahre hat er sich als neutraler Vorsitzender in verschiedenen Prüfungsausschüssen engagiert. Jetzt hat ihm die Handwerkskammer dafür ihre goldene Ehrennadel verliehen.

Wenn er zurückblickt, fallen ihm vor allem die Begegnungen mit den vielen verschiedenen Menschen aus ganz unterschiedlichen Gewerken ein. Mal prüfte er angehende Zimmerermeister, mal künftige Geigenbauermeister, ein weiteres Mal Friseurmeisterinnen. Als neutraler Vorsitzender der Meisterprüfungsausschüsse koordinierte er die Prüfungen und arbeitete dabei eng mit den jeweils zwei Fachprüfern der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite zusammen. Dabei sind über die Jahre auch gute Bekanntschaften und Freundschaften entstanden. Das ist dann auch einer der Gründe, warum Hans Jürgen Köhler so lange dabeigeblieben ist. „Ich hatte viele Begegnungen, an die mich gerne erinnere. Die Kollegialität und das gute Miteinander, dass macht für mich die Arbeit im Prüfungsausschuss
aus“, sagt er.

Daneben reizte ihn aber auch das Fachliche. Bei Terminen mit den Prüflingen
hatte er immer wieder auch die Chance, neue Handwerksbetriebe kennenzulernen und neue Eindrücke mitzunehmen. Als gelernter Maschinenschlosser fühlte er sich in den Metall-Gewerken am heimischsten.

Dass er einmal angehende Handwerksmeisterinnen und -meister prüfen würde, hatte er sich am Anfang seines Berufslebens nicht vorstellen können. Das begann
Ende der 1950er-Jahre mit der Schlosserausbildung bei Borgward, einer zweiten Ausbildung zum Reedereikaufmann und schließlich mit der Fortbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt. 1975 kam er zur Gewerbeförderanstalt der Handwerkskammer Bremen, der Vorläuferin des heutigen Kompetenzzentrums Handwerk gGmbH. Die Aufgabe als neutraler Prüfungsausschuss-Vorsitzender übernahm er ehrenamtlich und führte sie auch im Ruhestand fort. Jetzt übergibt er die Aufgabe in jüngere Hände.