Stimmung im Handwerk hellt sich leicht auf

Kammer stellt Konjunkturbericht Herbst 2025 im Autohaus Orléa vor / Geschäftsklima-Index steigt von 91 auf 100 Punkte / Verhaltene Erwartungen im Baugewerbe und bei den Gewerken für den gewerblichen Bedarf

Die Handwerkskonjunktur im Bundesland Bremen erholt sich wieder. Nachdem sich der Geschäftsklima-Index im Frühjahr dieses Jahres mit 91 Punkten erstmals negativ zeigte, hat er sich im Sommer wieder stabilisiert und steht aktuell bei 100 Punkten. Für den kommenden Winter wird eine minimal positive Entwicklung prognostiziert (+ 1 Prozentpunkt), der Ausblick in den einzelnen Gewerken ist aber unterschiedlich.

Diese und viele weitere Zahlen aus der jüngsten Konjunkturumfrage hat die Handwerkskammer Bremen jetzt im Autohaus Orléa in Bremen Nord vorgestellt. Dabei waren Oliver Kriebel, stv. Hauptgeschäftsführer der Kammer; Präses Thomas Kurzke; Ralph Orléa, Geschäftsführer des Autohauses Orléa; und Alexander Gündermann, neuer Hauptgeschäftsführer der Kammer.

Oliver Kriebel: „Mit 100 Punkten steht das allgemeine Geschäftsklima im bremischen Handwerk genau an der Grenze zwischen positiv und negativ. Nach dem deutlichen Minus der Konjunkturumfrage vom Frühjahr hat sich die Tendenz über den Sommer hin deutlich nach oben entwickelt. Im Baugewerbe herrscht aber noch Unsicherheit, in den Gewerken für den gewerblichen Bedarf überwiegen eher negative Erwartungen.“

Thomas Kurzke zeigt sich erfreut über den leicht positiven Trend, sieht das Handwerk vor dem Hintergrund der nach wie vor schwierigen Lage der Gesamtwirtschaft aber weiterhin vor großen Herausforderungen: „Viele Handwerksbetriebe spüren die großen Schwankungen der Gesamtwirtschaft nur indirekt und in abgemilderter Form. Insofern sind sie von der derzeitigen Rezession generell auch nicht so stark betroffen wie andere Wirtschaftsbereiche. Trotzdem bereitet die allgemeine Krise auch uns Sorgen, unter anderem mit Blick auf die Gewerke für den gewerblichen Bedarf. Deren Betriebe sind oft Zulieferer oder technische Dienstleister für die Industrie. Was wir deswegen jetzt brauchen, ist eine entschlossene und mutige Wirtschaftspolitik, die Betrieben wieder Luft zum Atmen verschafft, zum Beispiel durch spürbare Entlastungen bei der Bürokratie und bei Energiekosten sowie eine Begrenzung der stetig steigenden Lohnzusatzkosten, die besonders das personalintensive Handwerk stark belasten.“

Geschäftslage mit leicht positiver Tendenz

Die Geschäftslage der befragten Betriebe zeigte im Sommer 2025 ein konstantes Gesamtbild. 20,5 % der befragten Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 58,4 % bewerten ihre Situation als befriedigend und 21,1 % stufen ihre Lage als schlecht ein.

Die künftige Geschäftslage im bremischen Handwerk wird ähnlich bewertet. So erwarten 16,3 % der meldenden Betriebe eine bessere Geschäftslage, 68,1 % rechnen mit einer befriedigenden Situation und 15,7 % gehen von einer schlechteren Lage aus. Diese Rückmeldungen deuten auf eine weitere Stabilisierung hin.

Beschäftigungssituation stabil

Die Beschäftigungssituation wird sich nach einem leichten Rückgang im Sommer voraussichtlich stabilisieren. Für den Winter 2025/2026 erwarten 9,6 % der teilnehmenden Betriebe einen weiteren Rückgang, während 9,0 % von einem Anstieg ausgehen.

Umsätze entwickeln sich leicht positiv

Die Umsatzentwicklung im Sommer 2025 zeigte eine leicht positive Tendenz. Im vergangenen Winter waren noch rückläufige Umsätze verzeichnet und für den Sommer eine stabile Umsatzentwicklung prognostiziert worden. Diese wurden in der Praxis leicht übertroffen. Insbesondere in den Bau- und Ausbaugewerken aber auch im KFZ-Gewerbe wurden positive Umsatzentwicklungen verzeichnet.

Die Umsatzerwartungen für den Winter 2025/2026 sind ebenfalls leicht positiv. 65,1 % der Betriebe erwarten konstante Umsätze, 18,1 % der meldenden Betriebe gehen von weiter steigenden Umsätzen aus und 16,9 % rechnen mit sinkenden Umsätzen.

Auftragsbestände entwickeln sich leicht rückläufig / Auslastung der Betriebe verbessert sich

Der Auftragsbestand zeigt sich im aktuellen Berichtszeitraum weiter leicht rückläufig, die durchschnittliche Auftragsreichweite beträgt derzeit 8,9 Wochen, im Frühjahr hatte sie noch 9,4 Wochen betragen. Im Vorjahresberichtszeitraum Sommer 2024 lag die Auftragsreichweite noch bei 12,4 Wochen.

Für die kommende Periode sind die Erwartungen bezüglich des Auftragsbestands leicht steigend. So rechnen 65,1 % der Betriebe mit einem konstanten Auftragsbestand, 16,9 % der meldenden Betriebe erwarten einen Rückgang und 18,1 % gehen von einem steigenden Auftragsbestand aus.

Auch die durchschnittliche Kapazitätsauslastung steigt wieder, im Frühjahr 2025 lag sie im Vergleich zu den Vorjahren bei relativ schwachen 66,7 %, nun wird sie durchschnittlich über alle Gewerke mit 71,2 % angegeben.

Preisentwicklung konstant mit leicht steigender Tendenz

Die Verkaufspreisentwicklung ist im abgelaufenen Berichtszeitraum relativ konstant verlaufen. 62,0 % der teilnehmenden Betriebe haben ihre Preise stabil gehalten, 19,3 % haben die Preise erhöht, während 18,7 % ihre Preise gesenkt haben. Hier wird die Entwicklung aus dem Frühjahr fortgesetzt, auch in den Gewerken, die nah an den Menschen arbeiten, sind die Preise gestiegen.

Für den kommenden Winter erwarten die bremischen Handwerksbetriebe eine gewisse Preisstabilität mit leichter Tendenz zum Anstieg der Verkaufspreise. 66,9 % der Betriebe planen, ihre Preise unverändert zu lassen, 15,7 % rechnen mit sinkenden Preisen und 17,5 % erwarten steigende Preise.

Verhaltene Investitionsbereitschaft

Die Investitionsbereitschaft im bremischen Handwerk zeigt sich analog zu den vergangenen Jahren recht verhalten. 66,9 % der Betriebe haben im Sommerhalbjahr ihre Investitionen konstant gehalten, 18,1 % haben ihre Investitionen reduziert und 15,1 % haben ihre Investitionen verstärkt. In der Frühjahrs-Umfrage hatten nur 9,6% der Betriebe angegeben, ihre Investitionen gesteigert zu haben.

In der kommenden Periode werden die Investitionen weiter zurückgefahren, auch hier wollen 66,9% der teilnehmenden Betriebe konstant weiter investieren, während 15,7 % der Betriebe die Investitionen weiter reduzieren und 15,7 % der befragten Betriebe ihre Investitionsbereitschaft erhöhen wollen.

Die seit Jahren mangelnde größere Investitionsbereitschaft spiegelt die vorsichtige Haltung der Betriebe im Hinblick auf die künftigen wirtschaftlichen Entwicklungen wider.